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Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
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Niederschriften vom
heimatgeschichtlichen Arbeitskreis zum Thema Berufsgruppen
8. Der Friseur |
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Gespräch mit
Günter Elfers, Jahrgang 1932
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Nachdem mein Vater Gerhard Elfers in einer 2. Lehre in
Duisburg Friseur gelernt hatte, eröffnete er im Juli 1930 in
Burgsteinfurt, an der Kirchstraße 23, einen Friseursalon für
Damen und Herren. Angegliedert war eine Parfümerie und ein,
von meinem Großvater gegründetes, Tabak- und
Zigarrengeschäft. Von Anfang an half meine Mutter im Salon
und im Laden mit. Da sie gelernte Schneiderin war, besserte
sie die Haushaltskasse dadurch auf, dass sie für die
Friseurkundschaft zusätzlich Schneiderarbeiten erledigte.
Bis zum Krieg war der Herrensalon viel stärker frequentiert
als der Damensalon. Daher beschäftigten wir bei den Herren
auch 3 und bei den Damen 2 Kräfte. Ich erinnere mich noch
gut an die Gesellen Willi Kies und Willi Schwering, die bei
uns ihrem Beruf nachgingen. Im Herrensalon stand die Rasur
an erster Stelle; erst dann kam das Haareschneiden.
Hauptrasiertage waren mittwochs und samstags. Auch am
Sonntagmorgen von 11.00-13.00 Uhr waren Salon und Laden
geöffnet.
Bis Mitte der 30er Jahre wurden im Damensalon die Wellen
ausschließlich mit dem Onduliereisen (Brennschere) gelegt,
erst später setzte sich langsam die Dauerwelle durch.
Gelegentlich färbte man auch schon die Haare, allerdings mit
einer flüssigen Farbe -Henna Simplex-, was oft zu großen
Schmierereien führte. Geschnitten wurde hauptsächlich der
Bubikopf Mein Vater nannte sich daher auch
"Bubikopfschneider". Auch das Perückenmachen und das
Haarteilersetzen war an der Tagesordnung und gehörte zum
Berufsbild des Friseurs. Ab 1935 wurde in unsem Beruf die
Meisterprüfung eingeführt, die die Voraussetzung schaffte,
Lehrlinge auszubilden und einen Salon zu leiten. Allerdings
genossen alle bisherigen Inhaber von Friseurläden
Bestandsschutz.
Der Beruf des Friseurs gehörte lange Zeit nicht zu den
ehrbaren Berufen. Vielleicht liegt es daran, dass er aus dem
Beruf des Baders oder des Barbiers hervorgegangen ist. Daher
kommen auch die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten, die in
unserm Beruf ausgeübt werden. Ich kannte noch einen
Kollegen, der in seinem Salon Zähne zog.
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Als mein Vater 1940 in den Krieg eingezogen wurde, führte
meine Mutter den Salon alleine weiter, da es damals ein
Weiterführungsprivileg für Ehefrauen gab. Wegen fehlender
Arbeitskräfte wurde der Herrensalon im Krieg nicht weiter
betrieben. Im Damensalon kannte man damals die
Entwarnungsfrisur, das sind hochgesteckte Haare, die mit
einem Kopftuch bedeckt werden konnten.
Nach dem Krieg sind bei uns als Meister Erich Hellmich und
als Geselle wieder Willi Schwering, der in Berlin ausgebombt
war, eingestellt worden, um die Kundschaft ausreichend
bedienen zu können.
Gleichzeitig war unser Salon eine Puppenklinik. Es wurden
Korpusse repariert, Gliedmaße neu verklebt, Gummizüge
erneuert und natürlich Haartrachten ersetzt. Das ging noch
bis Anfang der 60er Jahre so weiter.
Auch die Kompensationszeit ging nicht spurlos an den
Friseuren vorüber. Jeder versuchte so gut wie es ging über
die Runden zu kommen. So brachten die Bauersfrauen Speck,
Milch und Eier, die Frauen aus der Stadt Holz und Briketts
mit, wenn sie zum Frisieren kamen. Der Salon war von morgens
bis abends brechend voll, da das Haare schneiden und -legen
zu den wenigen Leistungen gehörte, die nicht von oben
rationiert waren. Falls man kein Stammkunde war, gab es
Schwierigkeiten, überhaupt bedient zu werden.
Als ich 1947 aus der Schule kam, bin ich zu Friedrich Hilge
in die Lehre gekommen. In dem reinen Herrensalon waren der
Meister, ein Geselle und 2 Lehrlinge beschäftigt. Hier
verbrachte ich die erste Hälfte meiner Lehrzeit. Meine
Hauptaufgaben waren Stube ausfegen, beim Rasieren Einseifen
und eventuell Vorschneiden.
Meister und Geselle hatten ihren festen Stuhl. Die
männlichen Kunden kamen damals etwa alle 3 Wochen zum
Haare schneiden. Es war üblich 10 Tage danach zum
verbilligten Nachschneiden zu kommen. Das Rasieren hatte
erheblich nachgelassen. Wer trotzdem kam, brachte selbst
Handtuch und Seife mit. Kopfwäsche war bei Herren nahezu
unbekannt. Im Sommer wurde zum Rasieren kaltes Wasser
genommen, während im Winter das Wasser auf dem Ofen erhitzt
wurde.
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Zuhause waren wir im Damensalon mit einem Durchlauferhitzer
schon ein bisschen moderner eingerichtet. Hier verbrachte
ich dann den 2ten Teil meiner Lehrzeit, um auch im
Damensalonbereich ausgebildet zu werden.
Neben dem Haare schneiden gab es die Heißdauerwelle und die
handgelegte Wasserwelle. Gelegentlich wurde auch noch
onduliert. Auch kam verstärkt das Färben und Blondieren auf;
natürlich mit besseren Farben: Creme- und Geleefarben
(Tubenfarben), als vor dem Krieg.
1955 kam die Kaltwelle auf den Markt, die das
Dauerwellengeschäft erheblich beeinflusste, genauso wie das
Lockwellenverfahren, das die kalt gelegte Wasserwelle
ersetzte. Herbert Oertel war mittlerweile bei uns
eingestellt worden, von dem ich sehr viel lernen konnte.
Im April 1950 machte ich dann die Gesellenprüfung und blieb
weiterhin im elterlichen Betrieb beschäftigt. Meine Mutter
Luise Elfers hatte gerade ein Jahr vorher, obwohl
berufsfremd, die Meisterprüfung gemacht.
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Bild 1 -
1955, Meisterin Luise Säcker (Elfers) mit ihren
Angestellten:
Personen von rechts: obere Reihe: Marianne Elfers, Marianne
Hallau, Charlotte Örtel, Gisela Hagedorn (Lehrling),
Friedhelm Howe (Lehrling), Christa Hilge (Lehrling), untere
Reihe: die Meisterin, Günter Elfers,
Maria Ebersmann (Aushilfskraft).
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Bild 2 -
1952 im Herrensalon bei Elfers mit Friedhelm
Howe,
Günter Elfers, Maria Ebersmann |
Das Handwerkszeug in einem Herrensalon bestand aus:
Kamm, Schere, Haarschneidemaschine (überwiegend aufgehängte
Maschinen), Seifentöpfchen, Pinsel, Rasiermesser;
Streichriefen, Öl- und Schieferstein zum Schärfen des
Messers. Stammkunden hatten im Salon immer ihr eigenes
nummeriertes Seifen- oder Rasiertöpfchen.
Im Damensalon gab es:
Kamm, Schere, Onduliereisen, Wasserwellkämmchen,
Lockenwickler, Dauerwellapparate, Trockenhauben, Dauerwell-,
Flachwell- und Lockwellwickler.
In unserm Herrensalon standen 3 Kundenstühle, während wir im
Damensalon 6 "Kabinen" vorhielten.
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Nach der Währungsreform trat auch im Friseursalon bald eine
Trendwende ein. Die Mode spielte wieder eine entscheidende
Rolle. Verstärkt wurden Dauerwellen gemacht und die rote
Haarfarbe, die vorher verpönt war, kam in Mode. Sowohl im
Damen- als auch im Herrenbereich kam der Messerschnitt auf.
Mitte der 50er Jahre haben wir unser Angebot um Kosmetik
(Pflege und Dekorativ) erweitert; auch Maniküre, Pediküre,
Nageldesign gehörten zu unsern Aufgabenfeldern.
1955 waren wir mit 9 Beschäftigten der größte Friseursalon
in Burgsteinfurt.
Ab 1956 besuchte ich berufsbegleitend die Meisterschule.
1959 legte ich die Meisterprüfung ab. 1961 übernahm ich von
meiner Mutter des Salon, den ich bis 1992 führte, um ihn
dann in jüngere Hände zu legen.
Seit 1981 war ich
stellvertretender Obermeister und auch in der
Prüfungskommission der Innung, gleichzeitig leitete ich die
Fachgruppe Kosmetik.
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Bild 3 -
1962, die Friseure bringen ihrem Kollegen Ewald
Krabbe einen Kroamstuten. Von rechts: Heinz Hilge (an der
Trommel), Günter Elfers, Friedel Schoppe, Willi Schmidt,
Willi Hinnau, Fritz Salzbrunn (ebenso mit dicker Trommel) |
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In den 50er Jahren gab es in Burgsteinfurt folgende
Friseursalons:
nur Herrensalons:
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Gerd Friemann, Lindenstr.71, heute Ecke Steinstr./Mühlenstr.,
später übernahm der Schwiegersohn Heinz Gerd Buck den Salon,
-
Wilhelm Buddemeier (Krusen Wilm), Steinstr.3. heute Cafe
Schwan,
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Willi Hinnau (genannt Doktor), Lindenstr.22,
-
Adolf Stemmerding (Flötist), Lindenstr.57, heute
Lindenwirtin,
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Fritz Hilge, Rottstr. 16, heute türkische Pizzeria, später
Heinz Hilge (Löwenmäulchen),
-
Matthias Conrads, Bütkamp 18.
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Heini Dreihues, Friedhof! 4, Gaststätte Fischer, früher
Berkemeier
nur Damensalon:
-Maria Hocke, Wasserstr.22, früher Herlitzius, heute
Eisdiele, später Markt 4, heute Burgapotheke.
Damen- und Herrensalons:
-Benno Conrads, Wasserstr.26, später Schmidt und Schröder,
heute Popkorn,
-Luise Elfers, Kirchstr.23, später Günter Elfers, heute
Marion Schulte,
-Willi Hoge (Höti), Metelerstiege 101, vor dem Krieg bei
Brinkhaus, Ochtruperstraße, nachher im Elternhaus, Seilen,
Jammertal,
-Friedel Schoppe, Steinstr.21, (Schoppe am Sack), heute
leerstehend, vormals Altmann,
-Heini Köster, Markt 10, später Ecke Markt/Burgstraße, Sohn "Hampel"
Köster übernahm später den Salon, vorher Tabakwaren
Meintgens, heute Ginos Eiscafe,
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Herbert Örtel, Döhmannstraße, später Raiffeisenstraße.
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Nach dem Adressbuch von 1931 sind noch folgende Friseure
erwähnt: Heinrich Jordan, Ecke Steinstr./Wippert, heute
abgerissen;
nach dem Krieg:
- Berkenbos, Ernst Jordan,
Vicor-Adolfstr.4,
- Ruth Sander, Löffelstr.8,
- Rudolf Becks,
Sedanstr.2,
- Wilhelm Bücker, Steinstr.31,
- Willi Schneuing,
Bütkamp 10,
Ludger Thier, Lindenstr.71,
Alice Weiß, Am
Bahnhof 10
Aus der Schatzungsliste der Stadt Burgsteinfurt von 1793
geht hervor, dass es damals in unserer Stadt 3 Friseure gab.
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