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Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
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Niederschriften vom
heimatgeschichtlichen Arbeitskreis zum Thema Berufsgruppen
9. Kolonialwarengeschäft |
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Gespräch mit
Helmut Braunschweig, Jahrgang 1924 |
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Mein Vater Heinrich Braunschweig kam 1936 aus Recke nach
Burgsteinfurt, um an der Kirchstraße 6 ein
Kolonialwarengeschäft zu eröffnen. Der Name Kolonialwaren
drückt aus, dass wir in unserem Angebot auch Gewürze hatten,
die aus den Kolonien eingeführt werden mussten. Daneben gab
es noch die Feinkostläden, die einen höheren Standart an
Waren, wie z.B. Sardellenpaste, Rauchfleisch usw. anboten
und dazu oft auch noch eine Kaffeerösterei besaßen.
Die meisten der Kolonialwarengeschäfte oder wie man im
Volksmund sagte „Tante Emma Läden" sind aus kleinen
Stubenläden entstanden, die sich nach und nach entwickelten.
So war es auch bei uns. Vor dem Krieg war der Großhändler
Schnege aus Rheine unser Lieferant. Da zur damaligen Zeit
der Kunde noch König war, brachten wir die im Geschäft
verkauften Waren direkt in die Häuser unserer Kunden. Das
war für mich als kleiner Junge eine gute Gelegenheit, die
ersten Pfennige zu verdienen, die dann bei Sundag in Eis
umgesetzt wurden.
Von meinem Vater liegt mir noch eine Anzeige von 1938 vor,
die folgendermaßen lautete:
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| Osterangebot |
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| Empfehle sämtliche Backartikel |
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| sowie: |
1a Landleberwurst |
125 gr. |
30 |
Pfennig |
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Landcervelatwurst |
125 gr. |
50 |
" |
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Plockwurst |
125 gr. |
40 und 50 |
" |
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Bierwurst |
125 gr. |
30 |
" |
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1a Zungenwurst |
125 gr. |
30 |
" |
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Schweizerkäse |
125 gr. |
35 |
" |
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Holländerkäse |
125 gr. |
30 und 35 |
" |
| Alles mit 3% Rabatt |
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| Alter Konsum, Inhaber Heinrich
Braunschweig, Kirchstr. 6 |
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1943 ist unser Geschäft an der Kirchstraße ausgebombt, wobei
drei Angestellte ihr Leben lassen mussten. Noch während des
Krieges bauten meine Eltern an der Hohen Schule eine neue
Existenz auf. Zu dieser Zeit wurden uns die Waren nicht mehr
angeliefert, sodass mein Vater schon morgens in der Früh mit
Pferd und Wagen zu den Einkaufsmärkten nach Münster fahren
musste, um unseren Wareneinkauf zu tätigen.
Ein zweiter Schicksalsschlag traf uns dann 1945, als unser
Laden an der Schulstraße dem Brandbombenangriff auf
Burgsteinfurt zum Opfer fiel. So standen meine Eltern, als
ich aus dem Krieg kam, vor dem Nichts.
Ab 1938 hatte ich eine Lehre als Rechtsanwalt- und
Notargehilfe gemacht. Nach Lehrabschluss wurde ich zur Marine
eingezogen, wo ich auf einem Minensuchboot eingesetzt war.
Da mein älterer Bruder im Krieg blieb, war es für mich
selbstverständlich, zu Hause mit anzupacken. Wir hatten zwar
an der Hohen Schule ein Ruinengrundstück aber kein Geschäft.
So pachteten wir erst im Haus Röttgering an der Wasserstraße
ein kleines Ladenlokal, um dort unser Kolonialwarengeschäft
weiter betreiben zu können. Wir hatten das Glück von der
Militärregierung zur Lebensmittelversorgung der
Burgsteinfurter Bevölkerung einen umgebauten Militärwagen
als Lieferwagen zu bekommen. Mit diesem fuhren wir jeden
Morgen um 5 Uhr zu den Großmärkten in Rheine oder Münster,
um mit Hilfe von Bezugsscheinen einzukaufen. Wenn wir dann
nach Burgsteinfurt zurückkamen, standen schon die Kunden vor
unserm Geschäft Schlange, um von den Waren, die wir
mitgebracht hatten, überhaupt noch etwas mitzubekommen.
Der Verkauf
durfte nur im Rahmen der von unseren Kunden vorgelegten
Lebensmittelmarken erfolgen. Für uns war es eine mühevolle
Kleinarbeit, diese dann auf die entsprechenden Karten
aufzukleben und bei der Stadtverwaltung einzureichen, um
dafür neue Bezugsscheine zu erhalten. Frischwaren wie Obst,
Gemüse und Kartoffeln bezogen wir direkt von den Bauern. Ich
erinnere mich noch gut, dass wir zu bestimmten Zeiten täglich
60 - 70 Zentner Kartoffeln von den Bauern bekamen, die in
kleinen Mengen (dafür brachten die Kunden eigene Taschen und
Körbe mit) verkauft wurden. Das galt auch für alle anderen
Waren des täglichen Bedarfs. Nichts war fertig verpackt, so
wie wir das heute kennen, sondern alles wurde lose abgewogen
und in kleinen Mengen zu ½ oder ¼ Pfund verkauft, in Spitztüten oder
Bodenbeutel eingetütet. Diese Abwiegevorgänge sind
von uns oft schon vorbereitet worden, um die Kunden dann in
den Geschäftszeiten schneller bedienen zu können.
Das Warenangebot
beschränkte sich damals neben den Frischwaren auf Mehl,
Zucker, Salz, Reis, Nudeln, Haferflocken, Bonbons, Zwieback,
Kaffee und Marmelade. Das Kaffeeangebot bestand aus „Kathreiners
Malzkaffee" und „Vox Kaffee". Dieser wurde dann meistens nur
in Mengen von 50 Gramm verlangt und sollte dann noch
gemahlen werden.
Da wir sehr viel Arbeiterkundschaft hatten, ist in dieser
Zeit nur selten bar bezahlt worden. Die Ausgaben der
einzelnen Kunden wurden im Laufe der Woche ins Buch
geschrieben und dann am Wochenende, wenn es Lohn gegeben
hatte, bezahlt.
Nach der Währungsreform trat dann eine grundlegende Änderung
ein. Nicht nur, dass fast alles wieder eingekauft werden
konnte, sondern auch die Waren wurden wieder von den
Großhändlern auf Bestellung frei Haus geliefert. Die Regale
und Schaufenster füllten sich und es bildeten sich auch
keine Schlangen mehr. Allerdings hatten wir einen langen
Arbeitstag und mussten uns immer wieder neu auf die
jeweiligen Kundenwünsche einstellen. Je mehr Geld vorhanden
war, um so mehr stieg das Warenangebot. Wein, Schnaps, Essig
und Öl wurden bei uns aus großen Korbflaschen abgefüllt.
Neben Berkenbos
hatten wir uns einen Namen für Fischverkauf gemacht. So
gingen teilweise zwei Zentner Fisch pro Woche über unsere
Ladentheke.
1949 sind wir dann nach dreijähriger Bauzeit in unseren
Neubau an der Hohen Schule eingezogen. Hier hatten wir gute
Voraussetzungen geschaffen, um einen großen Kundenstamm
betreuen zu können. Da ich damals immer die
Schaufenstergestaltung von Karl Schäfer bewunderte, der Filialleiter
bei Kessner am Markt war, schaute ich mir für
unser Schaufenster bei ihm einiges ab. Der Laden wurde
hauptsächlich im Familienbetrieb mit einer Angestellten und
zwei Lehrlingen geführt. Ich kümmerte mich insbesondere um
den Einkauf, während meine Frau die Seele des Verkaufs war.
In den 50-er und Anfang der 60-er Jahre liefen die Geschäfte
gut. Jedoch dann machte sich der Einfluss der Großmärkte
immer mehr bemerkbar, die waggonweise einkaufen konnten und
dadurch die Wettbewerbschancen des Einzelhändlers erheblich
beschnitten. So hatten wir noch 1967 versucht, dieser
Misere, durch den Anschluss an die Einkaufskette Edeka, zu
begegnen. Jedoch bereits 1970, als zusätzlich zu erkennen
war, dass keines der Kinder den Laden übernehmen wollte,
haben wir dann schweren Herzens unser Kolonialwarengeschäft
aufgegeben.
Hermann Hüging, Jahrgang 1938, wusste zu berichten, dass er
als kleiner Junge regelmäßig von den Bäckern Veltrup oder
Wahlbring Brot holen musste. In seinen Bollerwagen (im
Winter mit dem Schlitten) gingen jeweils 72 Mischbrote oder
52 Kassler hinein. Auch beim Fischverkauf war seine Hilfe
stets erforderlich. So fuhr er am Gründonnerstag mit dem
Fahrrad vollbepackt nach Hollich, um die Stammkunden mit dem
vorher bestellten Fisch zu bedienen. Hügings gehörten von
Anfang an der Einkaufsgenossenschaft Rewe an. Der Verkauf
von Frischmilch war den Milchhändlern vorbehalten. Erst
später, nachdem Hermann Hüging sich der „Kleinen
Milchprüfung" unterzogen hatte, durfte er Milch auch über
seine Ladentheke verkaufen.
Obwohl drei größere Konzerne seit Anfang der 50-er Jahre in
Burgsteinfurt ihre Filialen hatten (Kaiser's Kaffee, Kessener,
Hill), gab es trotzdem eine Vielzahl von „Tante Emma
Läden", die oft von den Inhabern in Kombination mit
Bäckerei, Gaststätte, Milchverteilung usw. geführt wurden.
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| 1 |
Theo Berkenbos, Steinstraße 31 |
Feinkosthaus, Fisch und Gemüse |
| 2 |
Helmut Braunschweig, An der Hohen Schule
6 |
Kolonialwaren |
| 3 |
Marie Buddemeier, Friedhof 6 |
Kolonialwaren |
| 4 |
Franz Brinkhaus, Ochtruper Straße 91 |
Kolonialwaren, von 1936 - 1992 |
| 5 |
Wilhelm Büsing, Steinstraße 18 |
Feinkost und Kaffeerösterei |
| 6 |
Wilhelm Naber, Bütkamp ½ |
Feinkost und Kaffeerösterei |
| 7 |
Friedrich Conzen, Leererstraße 106,
(Ernst Lammers) |
Kolonialwaren und Gemüse |
| 8 |
Wilhelm Ruland, Wasserstraße 11, (Wilhelm Betting) |
Lebensmittel und Sämereien |
| 9 |
Heinrich Hassmann, Bahnhofstraße 30 |
Kolonialwaren, schon vor 1920 |
| 10 |
August Hüging, Windstraße 10 |
Kolonialwaren |
| 11 |
Hermann Hüging, Emsdettenerstraße 37 |
Kolonialwaren, 1928 als Filiale von August Hüging
für Sohn Hermann gegründet. 1933 nach Kaufund Umbau des
Hauses Emsdettenerstraße 35 wurde das Geschäft dorthin
verlagert. 1958 richteten Hügings den ersten Sebstbedienungsladen mit
vollautomatischer Registrierkasse in Burgsteinfurt ein. 1995
ist das Gewerbe abgemeldet worden. |
| 12 |
Felix Ringel, Eichendorffstraße |
Kolonialwaren |
| 13 |
Rudi Völker, Hachstiege 73 |
Kolonialwaren, von 1934 - 1971 |
| 14 |
Elisabeth Overesch, Kirchstraße 7 |
Kolonialwaren, waren
bekannt für Salzheringe |
| 15 |
Anne Schottmann, Leererstraße 37 |
Kolonialwaren |
| 16 |
Elisabeth Wahlbrink, Leererstraße 111 |
Kolonialwaren |
| 17 |
Christine Demter, Adelingsesch 2 |
Kolonialwaren |
| 18 |
Anne Knöpker, Hohenzollernstraße 34 |
Kolonialwaren, später Klapproth |
| 19 |
Christine de Veen, Friedenau 4 |
Kolonialwaren |
| 20 |
Heinrich Röttgering, Wasserstraße 23 |
Senfwaren |
| 21 |
Telgmann, Leererstraße |
Kolonialwaren |
| 22 |
Erich Elkmann, Rottstraße 8 |
Kolonialwaren und Gaststätte |
| 23 |
„Müsken" Elfers, Lindenstraße |
Kolonialwaren und Gaststätte |
| 24 |
Franz Epping, Markt |
Kolonialwaren und Gaststätte |
| 25 |
Willi Prümers, Flintenstraße 8 |
Kolonialwaren und Gaststätte |
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| 26 |
Josef Tetenborg, Erpostraße 4 |
Kolonialwaren und Milchverteiler |
| 27 |
Günther Gieldon, Friedhof 16 |
Milchprodukte und Milchverteiler |
| 28 |
Raestrup, Bütkamp 3 |
Sämereien und Kolonialwaren |
| 29 |
Walter Flintermann |
Drogerie, Kolonialwaren und Schnapsbrennerei |
| 30 |
Josef Waniek, Steinstraße 37 |
Kolonialwaren |
| 31 |
Günter Schaade, Lindenstraße 15 |
Kolonialwaren und Milchverteiler |
| 32 |
Kolthoff, Hahnenstraße ? |
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| 33 |
„Oma" Hinnau, Lindenstraße |
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| 34 |
Kestermann, Lindenstraße |
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| 35 |
De Vries, an der Hohen Schule |
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| 36 |
Wilhelm Lammers, Bahnhofstraße 13 |
Milchverteiler |
| 37 |
Bernhard Löpenhaus, Hohenzollernstraße 49 |
Milchverteiler |
| 38 |
Hermann Kuhl, Kreuzstiege 14 |
Milchverteiler |
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In Sellen gab es den Kolonialwarenladen Hemker, genannt „Söten
Titt".
Anfang der 60er Jahre haben dann Hermann Demtschück,
Kohlstrunk 3, Franz-Josef Gräbner, Leererstraße 53, Gisela
Krohme, Goldstraße 57 und der Konsum, Lindenstraße 1 die zu
der Zeit bereits geschlossenen „Tante Emma" Läden ersetzt.
Weiter zur
Kohlenhandlung
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