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Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
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Niederschriften vom
heimatgeschichtlichen Arbeitskreis zum Thema Berufsgruppen
7. Der Schmied |
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Gespräch mit Hermann Schumacher, Jahrgang 1920
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Nach der Schatzungsurkunde der Stadt Burgsteinfurt von 1793
gab es damals bereits 6 Schmieden in unserer Stadt.
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Ich bin Ostern 1935 aus der Schule gekommen. Die Lehre bei
Josef Uphues konnte ich aber offiziell erst im Herbst 1935
antreten, da ein Meister nur 2 Lehrlinge ausbilden durfte,
und mit Rudi Hörstker ein Lehrling da war, der erst im
Herbst seine Gesellenprüfung machte. In der Schmiede Uphues
waren damals neben dem Meister 2 Gesellen und 2 Lehrlinge
beschäftigt.
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Bild 1 -
Pferdebeschlagen bei Uphues |
Mein Meister, der aus einer Ramsdorfer Schmiede- und
Kaufmannsfamilie stammt, hatte sich 1920 (Meisterprüfung
1919) an der Emsdettenerstraße Nr. 9, heute
Tecklenburgerstraße, als Schmied selbständig gemacht. Dazu
pachtete er das ehemalige Schmiedegebäude des Wilhelm Nüßmeier.
1928 kaufte er auf der anderen Seite der Erpostraße ein
größeres Grundstück mit einem eingeschossigen Wohnhaus,
welches er 1938 aufstockte. Hier hielt Uphues immer Zimmer
vor, um Lehrlinge und Gesellen von auswärts (insbesondere
aus dem Emsland) einstellen zu können.
In der Schmiede gab
es 2 aus Ziegelsteinen gemauerte Schmiedefeuer oder Essen.
Darüber hingen Rauchfange mit Öffnungen zum Kamin. Schon
damals wurde elektrisch Luft zu den Essen geblasen, so dass
der eine vorhandene Blasebalg meistens überflüssig war. Von
der einen Esse zur anderen befand sich ein mit Wasser
gefüllter Blechtrog, um die glühenden Werkstücke abkühlen zu
können. Für Meister und Geselle war je ein Amboss vorhanden,
der auf Holzstämmen befestigt war. Dazu gab es die Werkbank
mit einem schweren Schraubstock und einer
Säulenbohrmaschine. Auch arbeiteten wir mit einem autogenen
Schweißapparat, der mit Karbidentwickler betrieben wurde.
Etwa 1937 kam ein Elektroschweißgerät dazu. Mit Fettkohle,
die unter der Esse im Kohlenbunker lagerte, wurde das
Schmiedefeuer betrieben. Auch hatten wir schon verschiedene
Transmissionen, da ein Motor mehrere Maschinen anzutreiben
hatte. Der Fußboden war aus Sandsteinen gepflastert; nur im
Bereich des Hufbeschlags waren Holzbohlen ausgelegt.
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Als Lehrling
hatte ich morgens dafür zu sorgen, dass bei Arbeitsbeginn um
7.00 Uhr das Schmiedefeuer entfacht war.
Neben den normalen Schmiedearbeiten wie Hufbeschlag,
Herstellung von Türbeschlägen, Schlössern und Werkzeugen,
Bereifung von Wagenrädern, die die Hauptarbeit vorm Krieg
ausmachten, wurden auch Schlosserarbeiten wie
Garteneinfriedigungen, Tore, Balkongeländer und
Landmaschinenreparatur und -montage durchgeführt. Für die
Bauern habe ich Heu- und Dungaufzüge gebaut und die
Selbstbinder, die damals aufkamen, zusammengebaut. Unsere
meisten Kunden kamen aus Hollich.
Die Tätigkeit war eine harte Arbeit mit viel Lärm und
rauchiger Luft. Vor den Funken schützte sich der Schmied mit
einer Lederschürze.
Ich bin oft beim Augenarzt in Rheine
gewesen, wenn wieder mal Funken ins Auge geflogen waren.
Trotz dieser vielen Immissionen und der Hitze und Kälte habe
ich die Arbeit aber nicht als besonders schwierig empfunden.
50% unserer Tätigkeit bestand aus dem Hufbeschlag, der im
Gegensatz zu den anderen Schmieden in Burgsteinfurt
innerhalb des Werkstattgebäudes stattfand. Schon frühmorgens
warteten die Bauern drauf, ihre Pferde beschlagen zu lassen.
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Bild 2 - ca. 1957/59 - Pferdebeschlagen
in der ... |
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Bild 3 - Schmiede von Scholte, Bergstraße
(heute Leerer Straße)
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Wenn die Pferde dem Schmied vorgeführt wurden, musste dieser
zunächst ihre Gangart und den Zustand ihrer Hufe überprüfen.
Die Tritte vom Vorder- und Hinterhuf mussten sauber sein, wie
man sich ausdrückte. Aus einer Menge von Fabrikeisen
(Rohlinge) suchte der Meister die passenden Eisen aus. Je
nach Bedarf setzte der Schmied leichte oder schwere Eisen
ein. Waren sie noch nicht durchgeschlissen, konnten sie ein
2tes Mal wieder verwendet werden. Da unser Meister extra
eine Hufbeschlagsprüfung abgelegt hatte, fühlte er sich auch
in erster Linie dafür zuständig.
Gelegentlich, wenn Zeit dafür vorhanden war, wurden die
Hufeisen auch selbst hergestellt. An dem Oberteil des
gebogenen Eisens schmiedeten wir eine halbmondförmige Kappe
an, um das Rutschen des Pferdefußes zu verhindern. In der
Bodenfläche wurde eine Vertiefung (Falz) eingearbeitet, in
die beidseitig je 4 Löcher für die Hufnägel eingeschlagen
wurden.
Vor dem Beschlagen mussten die Hufe beschnitten, an
Trachte und Zehe gekürzt und Stral und Sohle mit dem
Hufmesser ausgeschnitten werden. Das erforderte schon eine
gewisse orthopädische Geschicklichkeit.
Auf dem Amboss ist
das Hufeisen dann nachgearbeitet worden. Mit einem leichten
Schmiedehammer und 2 schweren Vorschlaghämmern schlugen
Meister und Gesellen abwechselnd im gleichen Takt auf das
heißglühende Eisen, so dass die Funken weit in die Werkstatt
sprühten. Dann wurde das noch heiße Eisen auf den Huf
aufgebrannt und mit 8 Nägeln befestigt.
Im Winter bei Eis
und Schnee mussten die Eisen häufiger geschärft werden oder
es wurden Stollen eingedreht oder angeschweißt.
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Eine weitere große Aufgabe war der Wagenbau. Hierzu
arbeitete Uphues hauptsächlich mit den Stellmachern Rudolf
Lammers, Veltruper Kirchweg 7; Johann Ebbing, Am Neuen Walll
2; Wacker, Kirchstraße; Köster, Bagnostraße und mit Hermann
Schnieder, Hollich 34 zusammen.
War der Stellmacher beim
Wagenbau zuständig für alles, was aus Holz hergestellt
wurde, so musste der Schmied sich um die dazugehörigen
Eisenteile kümmern. Stellmacher machten Naben, Speichen und
Felgen, Schmiede arbeiteten die Beschläge und zogen die
Reifen auf. Noch bis in die 60er Jahre wurden die Reifen von
Hand aufgezogen.
Dabei folgte die Technik dem einfachen Naturgesetz, dass
Körper sich bei Wärme ausdehnen und bei Kälte
zusammenziehen. Daher mussten die Eisenreifen immer etwas
kleiner geschmiedet werden, als die hölzernen Radfelgen.
So
wurde der Umfang von Rad und Felge genau ermittelt. War der
Reifen zu weit, band er die Felge nicht zusammen, war er zu
eng, gingen die Felgen wegen zu hoher Spannung zu Bruch. In
einer Eisenbiegemaschine wurde das Eisenband zunächst
kreisförmig gebogen. Die Ecken wurden geschlitzt
(keilgezinkt), miteinander vernietet und dann
feuerverschweißt.
Waren die Reifen rotglühend erhitzt, musste
schnell gehandelt werden. Mit Feuerhaken wurde das heiße
Eisenband auf die Holzfelge aufgebracht. Da das Holz leicht
schwelte, musste das Hämmern und Ausrichten sogleich
einsetzen. Das war ein spannender Vorgang, der viel Geschick
und Schnelligkeit erforderte. Sogleich wurde das Rad durch
einen Wassertrog gedreht, was ein lautes Zischen und eine
dichte Wolke aus Wasserdampf hervorrief, die die Werkstatt
in Nebel hüllte.
Der Schmied war zufrieden, wenn seine
Arbeit gelungen war. Durch das Abkühlen verkleinerte sich
der Umfang des Rades, so dass der Reifen fest auf die Felge
gepresst wurde.
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Bild 4 - Rechnung |
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Außer Josef Uphues gab es vorm Krieg in Burgsteinfurt noch
die selbständigen Schmiedemeister: Dietrich Scholte,
Rottstraße 10, wo die Lehrlinge regelmäßig in Logis wohnten
und seit 1932 Friedrich Teigeler, Ecke Viefhoek/Wasserstraße
(vormals Hermann Paalmann), später Drumstege 2-3, das vorher
ein Lager des Juden Cohen war. Zu meiner Kindheit gab es
noch auf der l. Gastege die Schmiede Heimann.
Die Schmieden in Burgsteinfurt hatten untereinander ein
gutes Verhältnis und tauschten sich sogar gegenseitig aus.
Über einen Kohlenhändler bestellten sie gemeinsam ihre
Schmiedekohle.
Als Schmied hatte man unter der Bevölkerung ein gutes
Ansehen, und ich glaube auch, dass die selbständigen Meister
ein gutes Auskommen hatten.
Wie alle Handwerksbetriebe machten auch die Schmieden einen
Strukturwandel mit.
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So entwickelten
sich nach dem Krieg die Bauschlossereien wie Bernhard
Abbenhaus, Rottstraße 4, Maximilian Lux, Rolinckstraße 3a
und die Dreherei, Schlosserei und Schmiede Bernhard Peters
(Meister Hämmerlein), Wasserstraße 25, die in dem ehemaligen
Teigelerschen Betrieb arbeitete.
Dazu gab es noch
in den 50er Jahren den Feinmechaniker Daniel Kirchner,
Viefhoek.
Auch die alteingesessenen Schmieden mussten sich umstellen
und sich den neuen Erfordernissen des Marktes anpassen. Es
kam hinzu, dass besseres Material und ein zusätzliches
Profilangebot (Rohre) im Stahlbau andere Aufgabenfelder
erschloss. Das typische Schmieden (Feuerschweißen)
wurde mehr oder weniger durch Elektroschweißen ersetzt.
Als Josef Uphues 1939 als Fahnenschmied zur Kavallerie nach
Rheine eingezogen wurde, musste ich zumindest bis
spätnachmittags, wenn der Meister wiederkam, den Betrieb mit
den Lehrlingen alleine meistern. Aus diesem Grunde bin ich
auch UK gestellt worden. Allerdings habe ich mich dann Juni
1940 freiwillig zur Luftwaffe gemeldet.
Nachdem ich in Braunschweig als Flugzeugführer für
untauglich erklärt wurde, bin ich in Poching (Bayern) zum
Flugzeugfunkwart ausgebildet worden und konnte danach dort
als Hilfslehrer für physikalische Grundlagen und Gerätelehre
bis Kriegsende bleiben. Nach dem Krieg bin ich dann bei der
WCG im Landmaschinenbau angefangen, wo ich dann auch 1956
meinen Meister machen konnte.
Von Ende 1940 bis 1945 arbeitete in der Schmiede Uphues ein
polnischer Kriegsgefangener, der wegen seiner guten
handwerklichen Fähigkeiten, bei der Kundschaft anerkannt
war. Nach dem Krieg 1946/47 baute Uphues auf seinem
Grundstück (andere Seite der Erpostraße) eine neue
Schlosserei mit Lagergebäude
Die Zeit bis zur Währungsreform konnte nur mit fixen Ideen
und unter Anwendung vieler Kompensationsgeschäfte
überstanden werden. Lange Zeit war Uphues einziger
Lanz-Vertreter im Kreis Steinfurt.
So hat jeder
versucht, sich auf die neuen Vorraussetzungen und die neuen
Techniken einzustellen. Teigeler verlegte sich z.B. auf die
Herstellung gummibereifter Anhänger.
Als Josef Uphues 1962 starb, übernahm sein Sohn Franz Josef
den Betrieb. Nach dessen allzu frühen Tod 1970, wurde Paul
Schnieders neuer Betriebsleiter. 1995 sind die Arbeiten in
der Schmiede Uphues endgültig eingestellt worden.
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Bild 5 - Bericht in der Münsterschen Zeitung vom
26.01.2002; Text und Fotos Detlef Held |
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