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Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
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Niederschriften vom
heimatgeschichtlichen Arbeitskreis zum Thema Berufsgruppen
2. Die Weißnäherinnen |
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Gespräch mit Frau Anna Backhausen, geb. Deitert, Jahrgang
1919
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Schon mein Opa mütterlicherseits ging schneidern, wie man
das damals nannte. Auch meine Mutter war in diesem Beruf
tätig. Sie nähte noch viel mit der Hand. Erst später besaß
sie eine Handnähmaschine, die sie auf der Hüfte von Haus zu
Haus trug. Meine Mutter war es dann auch, die, weil sie für
ihre Tochter einen praktischen Beruf wünschte, mich
beeinflusste, bei der Wäscheschneiderin Elisabeth Brinkmann,
geb. Kolthof,
Goldstraße 63 am 1.8.1935 eine Lehre zu beginnen.
Frau Brinkmann
selbst, geb. 16.5.07, hatte bei Marie Jansen, Am Neuen Wall
gelernt, 1935 die Meisterprüfung abgelegt und sich dann als
Näherin selbständig gemacht. Neben der Nähstube führte sie
auch noch einen eigenen Laden für Nähartikel aller Art. Ich
war ihr erstes Lehrmädchen. Später bildete sie mit Irmgard
Hülsey, Bernhardine Prümers, geb. Overesch, Elfriede
Teigelmeister und Frau Rudolf, geb. Weirich aus Metelen
weitere Lehrlinge aus.
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Schon im ersten Lehrjahr wurde ich sofort an die Nähmaschine
gesetzt und mit allen anfallenden Arbeiten betraut. Nur das
Zuschneiden war Aufgabe der Meisterin. Unser Betrieb war
schon mit Kurbelnähmaschinen ausgestattet, so dass wir kaum
noch mit der Hand nähen mussten, auch schwere Stoffe nicht.
An weiteren Werkzeugen standen mir eine Zuschneide-Schere,
eine kleine spitze Schere zum Faden schneiden, eine
Knopfloch-Schere, ein Kopier-Rädchen, ein Zentimetermaß und
verschiedene Bügeleisen zur Verfügung.
Wir nähten Damen- und Herrenwäsche, Bettwäsche, Tischwäsche,
Säuglings- und Kinderkleidung, Oberhemden, Gardinen,
Schürzen und Kittel. Auch das Ändern und Flicken von
Wäschestücken gehörte zu unserem Aufgabengebiet.
Meine Arbeitszeit begann morgens um 8 Uhr und endete abends
um 18 Uhr. Wie es damals üblich war, musste ich neben der
Näherei regelmäßig beim Wäsche waschen und bei der Ernte
helfen. Pro Woche erhielt ich als Lehrling eine Mark Lohn.
Mein Berufsschulunterricht fand im Seminar statt. Dort saß
ich mit Damenschneiderinnen und Putzmacherinnen in einer
Klasse, da diese Berufe zur gleichen Innung gehörten.
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Weil unsere Hauptkundschaft aus der Stadt kam, war das
Aufgabenfeld bei Brinkmann sehr vielseitig und nicht nur auf
Aussteuer begrenzt. Kam allerdings ein Bauerschaftskunde, um
für eine angehende Braut eine Aussteuer zu bestellen, so war
das für unsere Näherei schon ein Großauftrag. Aus den
mitgebrachten Stoffen ob Leinen, Halbleinen oder Baumwolle
nähten wir dann die für die Aussteuer bestellte Anzahl an
Bettüchern, Bett- und Kissenbezüge. Meist sollten es 3
Dutzend sein, weil man ja was auf sich hielt. Diese mussten
dann geplättet und je nach Schrankgröße auf Millimeter genau
gefaltet werden, damit die Gäste der Hochzeitsfeier
begutachten konnten, was die Braut mit in die Ehe gebracht
hatte. Oft musste die Wäsche sogar noch mit Monogrammen
versehen und zu 6 Stück mit bunten Bändern zusammengebunden
werden. Da aber die Aussteuer nicht nur aus Bettwäsche
bestand, kam noch Leib-, Nacht- und Tischwäsche, ein
Paradekissen und manchmal sogar noch ein Totenhemd dazu.
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1938 machte ich die Gesellenprüfung. Dazu hatte ich
verschiedene Arbeitsproben und ein Nachthemd zu fertigen.
Nach der Gesellenprüfung war ich noch ein Jahr als Gesellin
tätig. Dabei verdiente ich 30 Mark pro Monat.
Dann ging ich, nachdem ich zuvor einen Zuschneide-Kurs
besucht hatte, zur Meisterschule nach Münster. Die Kurse
fanden samstags und sonntags statt. 1942 machte ich als
23-jährige die Meisterprüfung. 400 Mark hatte mir diese
Ausbildung gekostet, was m. E. gemessen an dem Lohn, der
damals verdient wurde, unverhältnismäßig war. Das
Meisterstück, ein hellblaues Nachthemd mit weißer Spitze,
liegt heute noch, sorgfältig aufgefaltet, in meinem
Kleiderschrank.
Schon 1940 hatte ich mich, allerdings mit der Auflage in
Kürze die Meisterprüfung machen zu müssen, selbständig
gemacht. Meine hauptsächliche Kundschaft kam aus Hollich.
Nachdem ich anfangs alle Schneiderarbeiten angeboten hatte,
um erst mal ins Geschäft zu kommen, spezialisierte ich mich
später auf das Nähen von Aussteuer. Einen Lehrling habe ich
nicht beschäftigt, da dazu ja eine weitere Nähmaschine
notwendig war, die ich aber im Krieg nicht beschaffen
konnte. In der schlechten Zeit nach dem Krieg wurden die
Stoffe erst noch von den Kunden selbst mitgebracht. Später
kaufte ich diese bei Coers oder Elkmann. In den 50er Jahren
wurden die Aufträge immer weniger, da die industrielle
Fertigung den Beruf der Weißnäherin überholt hatte. Aus
diesem Grunde, aber auch weil ich mich mehr der Familie
widmen wollte, habe ich zum Jahresende 1955 mein Gewerbe
abgemeldet.
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In und nach dem Krieg gab es in Burgsteinfurt noch einen
weiteren Lehrbetrieb für Weißnäherinnen. Das war Bernhardine
Schnieder, Bütkamp 16.
Bei ihr lernten:
Frederike Ahlke,
geb. Muchow (von 1944-1947),
Hanne Nefigmann, geb. Flothmann,
Elisabeth Albertin, geb. Feltkamp,
Elli Tetenborg geb.
Arning,
Margret Kiewitt,
Gisela Köster, geb. Arning,
Anneliese Lindhof geb. Knöpker.
Des weiteren gab es die Haus- und Weißnäherinnen, die auf
die Höfe gingen, um vor Ort Wäschestücke und Arbeitskleider
auszubessern und Aussteuer zu nähen. Oft mussten dabei weite
Strecken zu Fuß zurückgelegt werden. Die jeweilige Hausfrau
hatte vorher bereits alle zusammengesucht, was ausgebessert
werden musste. Der Tagelohn betrug 2,- Mark und gutes Essen.
Hierzu gehörten:
Marie Demter, An der hohen Schule,
Anne Lammers, Adelingstraße 19b,
Christine van Führen, Citadelle
13 (Hausschneiderin),
Paula Wessels, Drepsenhook 14
(Näherin),
Wilhelmine Memmeler, geb. Elfers, An der Landwehr
22 (Schneiderin zumindest von 1951-1962),
Mine Hüging, Wemhöferstiege 35 (Näherin zumindest in der Zeit von
1955-1962),
Elisabeth Schulz, geb. Berning, Sellerweg 5,
(Gewerbe als Weißnäherin 1956 abgemeldet),
Elisabeth Arning,
Seilen 75 (Weißnäherinnen Meisterin, selbstständig von
1922-77). |
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