Heimatverein Burgsteinfurt e.V. 

Blaudruckwerkstatt historisch begründet

 

 

Blau- und Schönfärber nannten die Leute sie, machten aber meist einen großen Bogen und insgeheim ein Kreuzzeichen. Erkennbar waren sie an ihren Händen; wie Stulpenhandschuhe saß die Farbe auf Händen und Unterarmen, so echt, wie die Stoffe, die sie zu färben hatten.


Nicht nur in Museen sondern auch in altem bäuerlichen Besitz befinden sich noch zahlreiche Kopf- und Schultertücher, Decken und Dekorationsstoffe, die zwar in der Exaktheit des Druckes Mängel aufweisen aber in Farbe und vor allem im Motiv außerordentlich schön und ansprechend sind. Meist wurde in blau gedruckt, aber auch rot war nicht selten.

 

Es sind die Drucke, die unter dem Namen „Westfälischer Blaudruck“ bekannt wurden und ein Markenzeichen in unserm Raum darstellen. Als Stoffe kamen hauptsächlich Leinen und Nessel in Frage, wobei das erstere schwer und umständlich und das letztere leichter vor zu behandeln war, was Kochen, Stärken, Trocknen und Glätten anging.

 

So entwickelten sich Betriebe für Blaudruck vor allen Dingen dort, wo auch entsprechende Stoffherstellung stattfand.

Bild 1 - Die größte Burgsteinfurter Blaudruckerei gehörte Nikolaus Rotmann. Der Handwerksbetrieb befand sich wegen des großen Wasserbedarfs hinter der

Schlossmühle an der Aa. Später übernahm die Firma Goetz und Huth die Blaufärberei.

 

Im Mittelalter lieferte den Farbstoff vor allem das in Thüringen angebaute „Waid“ (isatia tinctoria), das aber schon im 17. und 18. Jahrhundert durch Indigo, von der Ostindischen Compagnie nach Deutschland importiert, abgelöst wurde. 1892 führte Deutschland 1.743.500 kg Indigo zum Durchschnittspreis von 10 Mark ein.

 

Das wichtigste Handwerkszeug des Blaudruckers waren seine Druckformen oder Druckstöcke (Model). Sie stellten sein Kapital dar, das er sorgsam hütete. Je mehr Druckformen er besaß, um so mehr Kundschaft hatte er.

 

Bild 2 - Blick auf die Blaudruckerei von der Schlossmühle aus

 

Auch im alten Burgsteinfurt waren Handdruckereien und

-färbereien vertreten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind sechs Betriebe nachweisbar. Der größte unter ihnen war die Blaufärberei Nikolaus Rotmann, der nicht nur 20 Arbeiter beschäftigte sondern darüber hinaus 30 Hausweber, je einen Böttcher, Schneider und Kupferschläger mit Arbeit versorgte. Der Handwerksbetrieb befand sich wegen des großen Wasserbedarfs hinter der Schlossmühle an der Aa. Später übernahm die Fa. Goetz und Huth die Blaufärberei.


Nikolaus Rotmann wohnte auf der Kirchstraße Nr.15 (nach dem Lagerbuch von 1836). Sein um 15 Jahre jüngerer Bruder Friedrich wohnte Kirchstraße Nr.13 und gründete 1817 die bekannte Tabak- und Zigarrenfabrik, die schon 1877 180 Arbeiter beschäftigte.


So kann die heute vom Heimatverein an der Kirchstraße betriebene Blaudruckwerkstatt mit Recht von sich behaupten, einen in Burgsteinfurt traditionell betriebenen Handwerkszweig fortzuführen.

Vorwiegend wird hier in der Technik "Direktdruck" (auf weißem Grund erscheinen die Motive in Farbe) gearbeitet.

 

Aber auch der „Original Blaudruck“ ist seit einiger Zeit gängige Praxis. Dabei wird das Muster mit Hilfe von Druckstöcken nicht mit Farbe direkt auf den vorbehandelten Stoff bedruckt, sondern mit einer farbabweisenden Substanz behandelt, die verhindert, dass der Stoff an dieser Stelle gefärbt wird, wenn man ihn in den Farbbottich taucht. Dieser sogenannte Papp wird nach dem Färben und Trocknen mit verdünnter Schwefelsäure vom Stoff entfernt, so dass das aufgedruckte Muster in weiß auf blauem Grund erscheint.

 
Für diese Arbeit stehen den Frauen des Heimatvereins fast 400 Model zur Verfügung. Viele, sehr alte, stammen aus Indien. Aber auch Burgsteinfurter Motive wie Stadtcollage und Hollicher Mühle erfreuen sich großer Beliebtheit.

Bild 3 - Der Briefkopf der Blaudruckfabrik Rotmann

 

Gefertigt werden Tischwäsche aller Art, Kissenhüllen, Gardinen, Schürzen, Geschirrtücher, Topflappen und Beutel unterschiedlicher Größe für die verschiedensten Mitbringsel. Kleine Beutel werden auf Wunsch mit Lavendel-, Orangen-, Jasmin- oder Rosmarinblüten gefüllt. Darüber hinaus können auch nach persönlichen Wünschen bedruckte Stoffe gefertigt werden.


Öffnungszeiten der Blaudruckwerkstatt des Heimatvereins Burgsteinfurt an der Kirchstraße sind:

 

Dienstag und Freitag von 9.30 – 12.00 Uhr und am 1.Samstag im Monat von 9.30 – 12.30 Uhr.

 

Nach Kontaktaufnahme unter Tel.: 02551/6372 sind auch andere Besuchszeiten möglich.
 


Text: Gottfried Bercks

Abbildungen: Archiv Heimatverein Burgsteinfurt