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Auf der Hinfahrt
wurde mit folgenden Informationen auf die Problematik der
Varusschlacht vor 2000 Jahren hingewiesen:
Informationen zur Schlacht im Teutoburger Wald.
Der römische Geschichtsschreiber Sueton hatte scheinbar
tiefes Mitleid mit Kaiser Augustus. „Varus, Varus, gib mir
meine Legionen wieder“, soll dieser immer wieder gerufen
haben, als er im Jahre 9 n. Chr. von der verheerenden
Niederlage seiner Armee im fernen Germanien gehört hatte.
Irgendwo in den dunklen Wäldern, weit weg vom Rhein, der
Grenze zwischen dem römischen Reich und Germanien, ereilte
die 17. 18. und 19. Legion samt ihrem Feldherrn Quintilius
Varus das Schicksal.
Bis heute wird in der Literatur, unter Historikern und
Heimatforschern immer wieder gestritten, wo die Schlacht
wirklich stattgefunden haben könnte. Dabei steht aber
mittlerweile eines fest, aus schriftlichen Überlieferungen
lässt sich der Ort der Varusschlacht nicht ermitteln. Ohne
schlüssige archäologische Funde taugt die beste Theorie
nichts. Zwar berichten mehrere römische Geschichtsschreiber
von dieser Schlacht, aber alle ihre Angaben sind zu ungenau,
um daraus historisch verbindliche Schlüsse ziehen zu können.
Es fängt an mit Tacitus, der 90 Jahre nach der Schlacht, das
Schlachtfeld mit: „saltus teutoburgiensis, nicht weit vom
Gebiet zwischen oberer Weser und Lippe“ beschreibt. Aber,
was war für die Römer damals Teutoburger Wald und was
bedeutet in deren Vorstellungen „nicht weit“; waren ein
(20km) oder zwei Tagesmärsche gemeint oder vielleicht sogar
„ganz nah dabei“?
Ein weiterer wichtiger Informant über die Varusschlacht ist
Valleius Paterkulus, der seine Aufzeichnungen wohl um 30 n.
Chr. verfasste. Er brachte es in der römischen Armee bis zum
General und lässt an Varus kein gutes Haar, dem er Dummheit
und militärisches Fehlverhalten attestiert, aber auch höhere
Mächte für die Niederlage mit verantwortlich macht. „Der
Feind setzte eine betrügerische List ein, hinzu kam die
Ungunst des Schicksals“. Über den Schlachtort gibt es
allerdings bei ihm keine Hinweise.
Licius Annaeus Florus verfasste kurz nach 100 n.Chr. eine
Geschichte über den Germanischen Krieg, die aber auch keine
örtliche Beschreibung enthält. Seine Darstellung weicht aber
insofern von den übrigen Beschreibungen ab, als er
berichtet, dass es sich nicht um ein Marsch Gefecht handelt,
sondern dass die Germanen unter ihrem Führer Arminius die
ahnungslosen Römer in deren eigenem Lager überfallen haben.
Dagegen liefert 200 Jahre nach der Schlacht Cassius Dio in
seiner römischen Geschichte folgende Ortsbeschreibung: „Das
Gebirge, in dem die drei römischen Legionen untergingen,
hatte viele Schluchten und unebenen Boden“. Was soll man nun
daraus ableiten können? Auch nicht viel, oder?
Allerdings haben viele archäologische Funde Ende der 1980er
Jahre in Kalkriese einen wahren Forschungsboom ausgelöst.
Was war passiert? Ein Privatforscher, der englische Offizier
Tony Clunn hatte dort Münzen und Schleuderbleie entdeckt,
die auch die offiziellen Stellen zu Ausgrabungen
veranlasste. Diese bewiesen dann zweifelsfrei, dass hier in
Kalkriese, an dem Engpass zwischen dem Kalkrieser Berg im
Süden und dem unzugänglichen großen Moor im Norden,
tatsächlich eine Schlacht zwischen Römern und Germanen
stattgefunden hat. Die Archäologen entdeckten Reste von
Uniformen, Waffen, Werkzeugen, Ausrüstungsgegenstände, aber
auch zahlreiche Kupfermünzen, das Kleingeld römischer
Soldaten. Die jüngsten gefundenen Münzen sind auf 7-9 n.
Chr. datiert. Letztendlich kam noch ein rund 400m langer
Wall zum Vorschein, der offenbar von den Germanen errichtet
war, um an der dadurch eingeengten Stelle, die Römer besser
angreifen zu können. Mit dem Auffinden von Knochengruben in
den Jahren 1994 und 95 wurde die Bedeutung des Fundplatzes
Kalkriese noch erheblich unterstützt. In diesen Gruben
fanden die Archäologen Menschen- und Tierknochen, darunter
Schädelknochen mit Hiebverletzungen. Die wissenschaftlichen
Untersuchungen ergaben, dass die Toten einige Jahre an der
Erdoberfläche gelegen haben müssen, ehe sie beerdigt wurden.
Das spricht für die Tatsache, wovon Tacitus berichtet, dass
sechs Jahre nach der Varusschlacht der römische Feldherr
Germanicus den Ort der Varusschlacht aufsuchte, um den
Gefallenen die letzte Ehre zu erweisen.
Die beiden Gegenspieler in der Schlacht 9 n. Chr. waren
einmal der römische Feldherr Varus und der Cheruskerfürst
Arminius, der es verstanden hatte, die unterschiedlichen
Germanenstämme zu vereinigen und in der Schlacht anzuführen.
Arminius wurde etwa 17 v. Chr. geboren. Er gehörte zum Stamm
der Cherusker, die im Weserraum ihren Sitz hatten. Wer in
ihm einen unzivilisierten Barbaren aus „des Waldes Duster“
vermutet, liegt allerdings falsch. Denn der spätere Todfeind
Roms war in Wirklichkeit von der römischen Welt selbst stark
geprägt. Er sprach Latein. Als Anführer cheruskischer
Hilfstruppen leistete er für das römische Imperium schon
seit langem unterstützenden Militärdienst. Dafür ist ihm
nicht nur das römische Bürgerrecht verliehen worden, sondern
er wurde sogar in den Ritterstand erhoben. Befreundet war er
mit Thusnelda, der Tochter des Segestes. Da beide
Familiensippen zerstritten waren, musste Arminius seine
Braut rauben, um sie anschließend heiraten zu können.
Sergestes war einer der germanischen Stammesfürsten, die
sich nicht dem Aufstand gegen die Römer anschlossen. Er soll
sogar Varus vor dem drohenden Aufstand gewarnt haben, doch
Varus glaubte dem Wort eines römischen Offiziers mehr als
dem eines germanischen Fürsten.
Varus kennt man heute hauptsächlich aus dem Spottlied: „Als
die Römer frech geworden........““Oh, Quintili armer
Feldherr, dachtest Du, das so die Welt wär“ ? heißt es
darin, mitleidsvoll, verächtlich über Quintilius Varus. Der
war aber keineswegs so weltfremd, wie es das Lied ausdrücken
will. Bevor er nämlich im Jahr 7 n.Chr.nach Germanien ging,
hatte er schon in Syrien militärische und politische
Erfahrungen gesammelt. Dabei lernte er auch Herodes, den
König von Judäa, kennen, der uns in der Bibel als
Kindermörder von Bethlehem begegnet. So war Varus, als er
die Alpen überquerte, fest davon überzeugt in ein
befriedetes Gebiet zu kommen. Schon seit mehr als 20 Jahren
waren die Römer rechts des Rheins militärisch präsent. Davon
zeugen heute noch Funde mehrerer Römerlager z.B. in Haltern.
Doch auch römische Zivilsiedlungen und Marktorte hatten sich
schon entwickelt. Darum dachte Varus auch weniger an
Kriegszüge, als vielmehr daran, die Germanen an römisches
Recht und an die Erhebung von Steuern zu gewöhnen. Dabei ist
es natürlich nicht immer einvernehmlich zugegangen.
Vielleicht könnte das einer der Gründe für das tödliche
Verhängnis, das sich über Varus zusammenbraute, sein; von
dem er aber nichts zu bemerken schien, obwohl Sergestes ihn
gewarnt hatte.
Die Katastrophe kam jedoch schon nach zwei Jahren. Varus
hatte mit seinen Legionen den Sommer über an der Weser
verbracht und wollte mit seinen Truppen gerade zurück in die
Winterquartiere am Rhein ziehen, als ihm gemeldet wurde,
dass sich einige entfernt wohnende Germanenstämme gegen die
Herrschaft des römischen Reichs erhoben hätten. Allem
Anschein nach hatte Arminius diese Falschmeldung verbreitet.
Varus zweifelte an dieser Aussage nicht. Im Vertrauen auf
seine militärische Überlegenheit änderte er seinen
Marschweg, um die aufrührerischen Stämme in die Schranken zu
weisen. Dabei gerieten sie nicht nur in schwer begehbares
sumpfiges Gelände, sondern auch in einen Hiterhalt.
Laut Cassius Dio dauerte die Varusschlacht drei Tage. Die
vorbei ziehenden römischen Heerscharen wurden auf schwer
passierbarem Wegabschnitt in einzelnen Stoßen im
Partisanenkampf angegriffen und schon am ersten Tag deutlich
geschwächt. Allerdings konnten sie auch noch am Abend des
zweiten Tages ein Lager errichten. Jedoch brachte der dritte
Tag das Ende, als die römischen Legionen fast vollends
aufgerieben wurden. Nur wenigen Legionären gelang es, sich
bis an den Rhein durchzuschlagen. Den meisten wurde das
unwirtliche Germanien zum Verhängnis. Varus nahm sich noch
auf dem Schlachtfeld das Leben.
In diesem Jahr jährt sich zum 2000mal die Varusschlacht. In
einer großen Ausstellungsreihe in Haltern, Detmold und
Kalkriese soll an diese Schlacht erinnert werden. Kalkriese
vermittelt in der Sonderausstellung, die wir heute sehen
werden, den Konflikt in der germanischen Welt, der sich
durch den Sieg über die Römer ergeben hat. Das römische
Reich verlor zusehends an Einfluss und neue politische
Kräfte wie Alemannen, Sachsen und Franken traten das Erbe
Roms an und bildeten schließlich die Grundlage für das
heutige moderne Europa.
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