Heimatverein Burgsteinfurt e.V. 

 

Fahrt nach Kalkriese zum Museumspark

 

 

Am 30.09.09 fuhr der Heimatverein Burgsteinfurt mit 50 Teilnehmern zum Museumspark Kalkriese im Osnabrücker Land.


Als erstes fand eine Führung durch die neu gestaltete Dauerausstellung statt, die eine historische Einführung zur Varusschlacht einschließlich der archäologischen Forschungen und den Besuch der Ausstellung selbst einschloss.

 

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Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken ging es mit einem Einführungsvortrag zur Sonderausstellung „Konflikt“ weiter, die dann nach eigenem Ermessen angesehen werden konnte. Hier wurden mit vielen musealen Ausstellungstücken die ersten unruhigen Jahre nach der Varusschlacht beleuchtet, bis die ersten germanischen Königreiche Rom als maßgebliche politische Macht ablösten.

 

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Auf der Hinfahrt wurde mit folgenden Informationen auf die Problematik der Varusschlacht vor 2000 Jahren hingewiesen:


Informationen zur Schlacht im Teutoburger Wald.

Der römische Geschichtsschreiber Sueton hatte scheinbar tiefes Mitleid mit Kaiser Augustus. „Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder“, soll dieser immer wieder gerufen haben, als er im Jahre 9 n. Chr. von der verheerenden Niederlage seiner Armee im fernen Germanien gehört hatte. Irgendwo in den dunklen Wäldern, weit weg vom Rhein, der Grenze zwischen dem römischen Reich und Germanien, ereilte die 17. 18. und 19. Legion samt ihrem Feldherrn Quintilius Varus das Schicksal.


Bis heute wird in der Literatur, unter Historikern und Heimatforschern immer wieder gestritten, wo die Schlacht wirklich stattgefunden haben könnte. Dabei steht aber mittlerweile eines fest, aus schriftlichen Überlieferungen lässt sich der Ort der Varusschlacht nicht ermitteln. Ohne schlüssige archäologische Funde taugt die beste Theorie nichts. Zwar berichten mehrere römische Geschichtsschreiber von dieser Schlacht, aber alle ihre Angaben sind zu ungenau, um daraus historisch verbindliche Schlüsse ziehen zu können. Es fängt an mit Tacitus, der 90 Jahre nach der Schlacht, das Schlachtfeld mit: „saltus teutoburgiensis, nicht weit vom Gebiet zwischen oberer Weser und Lippe“ beschreibt. Aber, was war für die Römer damals Teutoburger Wald und was bedeutet in deren Vorstellungen „nicht weit“; waren ein (20km) oder zwei Tagesmärsche gemeint oder vielleicht sogar „ganz nah dabei“?


Ein weiterer wichtiger Informant über die Varusschlacht ist Valleius Paterkulus, der seine Aufzeichnungen wohl um 30 n. Chr. verfasste. Er brachte es in der römischen Armee bis zum General und lässt an Varus kein gutes Haar, dem er Dummheit und militärisches Fehlverhalten attestiert, aber auch höhere Mächte für die Niederlage mit verantwortlich macht. „Der Feind setzte eine betrügerische List ein, hinzu kam die Ungunst des Schicksals“. Über den Schlachtort gibt es allerdings bei ihm keine Hinweise.


Licius Annaeus Florus verfasste kurz nach 100 n.Chr. eine Geschichte über den Germanischen Krieg, die aber auch keine örtliche Beschreibung enthält. Seine Darstellung weicht aber insofern von den übrigen Beschreibungen ab, als er berichtet, dass es sich nicht um ein Marsch Gefecht handelt, sondern dass die Germanen unter ihrem Führer Arminius die ahnungslosen Römer in deren eigenem Lager überfallen haben.
Dagegen liefert 200 Jahre nach der Schlacht Cassius Dio in seiner römischen Geschichte folgende Ortsbeschreibung: „Das Gebirge, in dem die drei römischen Legionen untergingen, hatte viele Schluchten und unebenen Boden“. Was soll man nun daraus ableiten können? Auch nicht viel, oder?
 


Allerdings haben viele archäologische Funde Ende der 1980er Jahre in Kalkriese einen wahren Forschungsboom ausgelöst. Was war passiert? Ein Privatforscher, der englische Offizier Tony Clunn hatte dort Münzen und Schleuderbleie entdeckt, die auch die offiziellen Stellen zu Ausgrabungen veranlasste. Diese bewiesen dann zweifelsfrei, dass hier in Kalkriese, an dem Engpass zwischen dem Kalkrieser Berg im Süden und dem unzugänglichen großen Moor im Norden, tatsächlich eine Schlacht zwischen Römern und Germanen stattgefunden hat. Die Archäologen entdeckten Reste von Uniformen, Waffen, Werkzeugen, Ausrüstungsgegenstände, aber auch zahlreiche Kupfermünzen, das Kleingeld römischer Soldaten. Die jüngsten gefundenen Münzen sind auf 7-9 n. Chr. datiert. Letztendlich kam noch ein rund 400m langer Wall zum Vorschein, der offenbar von den Germanen errichtet war, um an der dadurch eingeengten Stelle, die Römer besser angreifen zu können. Mit dem Auffinden von Knochengruben in den Jahren 1994 und 95 wurde die Bedeutung des Fundplatzes Kalkriese noch erheblich unterstützt. In diesen Gruben fanden die Archäologen Menschen- und Tierknochen, darunter Schädelknochen mit Hiebverletzungen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben, dass die Toten einige Jahre an der Erdoberfläche gelegen haben müssen, ehe sie beerdigt wurden. Das spricht für die Tatsache, wovon Tacitus berichtet, dass sechs Jahre nach der Varusschlacht der römische Feldherr Germanicus den Ort der Varusschlacht aufsuchte, um den Gefallenen die letzte Ehre zu erweisen.

Die beiden Gegenspieler in der Schlacht 9 n. Chr. waren einmal der römische Feldherr Varus und der Cheruskerfürst Arminius, der es verstanden hatte, die unterschiedlichen Germanenstämme zu vereinigen und in der Schlacht anzuführen.
Arminius wurde etwa 17 v. Chr. geboren. Er gehörte zum Stamm der Cherusker, die im Weserraum ihren Sitz hatten. Wer in ihm einen unzivilisierten Barbaren aus „des Waldes Duster“ vermutet, liegt allerdings falsch. Denn der spätere Todfeind Roms war in Wirklichkeit von der römischen Welt selbst stark geprägt. Er sprach Latein. Als Anführer cheruskischer Hilfstruppen leistete er für das römische Imperium schon seit langem unterstützenden Militärdienst. Dafür ist ihm nicht nur das römische Bürgerrecht verliehen worden, sondern er wurde sogar in den Ritterstand erhoben. Befreundet war er mit Thusnelda, der Tochter des Segestes. Da beide Familiensippen zerstritten waren, musste Arminius seine Braut rauben, um sie anschließend heiraten zu können. Sergestes war einer der germanischen Stammesfürsten, die sich nicht dem Aufstand gegen die Römer anschlossen. Er soll sogar Varus vor dem drohenden Aufstand gewarnt haben, doch Varus glaubte dem Wort eines römischen Offiziers mehr als dem eines germanischen Fürsten.


Varus kennt man heute hauptsächlich aus dem Spottlied: „Als die Römer frech geworden........““Oh, Quintili armer Feldherr, dachtest Du, das so die Welt wär“ ? heißt es darin, mitleidsvoll, verächtlich über Quintilius Varus. Der war aber keineswegs so weltfremd, wie es das Lied ausdrücken will. Bevor er nämlich im Jahr 7 n.Chr.nach Germanien ging, hatte er schon in Syrien militärische und politische Erfahrungen gesammelt. Dabei lernte er auch Herodes, den König von Judäa, kennen, der uns in der Bibel als Kindermörder von Bethlehem begegnet. So war Varus, als er die Alpen überquerte, fest davon überzeugt in ein befriedetes Gebiet zu kommen. Schon seit mehr als 20 Jahren waren die Römer rechts des Rheins militärisch präsent. Davon zeugen heute noch Funde mehrerer Römerlager z.B. in Haltern. Doch auch römische Zivilsiedlungen und Marktorte hatten sich schon entwickelt. Darum dachte Varus auch weniger an Kriegszüge, als vielmehr daran, die Germanen an römisches Recht und an die Erhebung von Steuern zu gewöhnen. Dabei ist es natürlich nicht immer einvernehmlich zugegangen. Vielleicht könnte das einer der Gründe für das tödliche Verhängnis, das sich über Varus zusammenbraute, sein; von dem er aber nichts zu bemerken schien, obwohl Sergestes ihn gewarnt hatte.

Die Katastrophe kam jedoch schon nach zwei Jahren. Varus hatte mit seinen Legionen den Sommer über an der Weser verbracht und wollte mit seinen Truppen gerade zurück in die Winterquartiere am Rhein ziehen, als ihm gemeldet wurde, dass sich einige entfernt wohnende Germanenstämme gegen die Herrschaft des römischen Reichs erhoben hätten. Allem Anschein nach hatte Arminius diese Falschmeldung verbreitet. Varus zweifelte an dieser Aussage nicht. Im Vertrauen auf seine militärische Überlegenheit änderte er seinen Marschweg, um die aufrührerischen Stämme in die Schranken zu weisen. Dabei gerieten sie nicht nur in schwer begehbares sumpfiges Gelände, sondern auch in einen Hiterhalt.
Laut Cassius Dio dauerte die Varusschlacht drei Tage. Die vorbei ziehenden römischen Heerscharen wurden auf schwer passierbarem Wegabschnitt in einzelnen Stoßen im Partisanenkampf angegriffen und schon am ersten Tag deutlich geschwächt. Allerdings konnten sie auch noch am Abend des zweiten Tages ein Lager errichten. Jedoch brachte der dritte Tag das Ende, als die römischen Legionen fast vollends aufgerieben wurden. Nur wenigen Legionären gelang es, sich bis an den Rhein durchzuschlagen. Den meisten wurde das unwirtliche Germanien zum Verhängnis. Varus nahm sich noch auf dem Schlachtfeld das Leben.

In diesem Jahr jährt sich zum 2000mal die Varusschlacht. In einer großen Ausstellungsreihe in Haltern, Detmold und Kalkriese soll an diese Schlacht erinnert werden. Kalkriese vermittelt in der Sonderausstellung, die wir heute sehen werden, den Konflikt in der germanischen Welt, der sich durch den Sieg über die Römer ergeben hat. Das römische Reich verlor zusehends an Einfluss und neue politische Kräfte wie Alemannen, Sachsen und Franken traten das Erbe Roms an und bildeten schließlich die Grundlage für das heutige moderne Europa.
 

 

Text: Gottfried Bercks

Fotos: Johann Nefigmann