Heimatverein Burgsteinfurt e.V. 

Schnatgang am 24. Februar 2008

 

Seite  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 

 

Die Schnatgänge

 

Es ist ein alter Brauch, der aufgrund des Engagements des Heimatvereins wieder aufleben soll.

 

In den ersten Wochen des neuen Jahres möchten die Brauchtumspfleger die Schnat- oder Grenzgänge wieder durchführen. Wer heute wissen will, wo die Grenzen einzelner Orte verlaufen, braucht nur Messtischblätter oder sonstige Katasterkarten zur Hand nehmen.

 

Das war jedoch in früheren Jahrhunderten nicht so. Da galt es die gedächtnismäßige Überlieferung des jeweiligen Grenzverlaufs sicherzustellen. Das geschah durch regelmäßig durchgeführte Schnatgänge, an denen sich Jung und Alt beteiligten, um den Grenzverlauf möglichst allen Bürgern, insbesondere auch der jüngeren Generation, einzuprägen.

 

Zusätzlich war dadurch gewährleistet, dass bei Grenzstreitigkeiten immer ausreichend Zeugen für die eigene Sache aufgeboten werden konnten.

Der Verlauf der Grenzen, seien es Jagd-, Marken- oder Grafschaftsgrenzen, war durch natürliche Gegebenheiten wie Wasserläufe, große Steine oder besonders gekennzeichnete Bäume markiert; aber auch künstliche Grenzzeichen wie Schnatsteine oder Schnatkuhlen waren damals schon üblich.

 

Bei diesen Kuhlen handelte es sich um Wasserlöcher, in welchen ein Pfahl, der vorher im Feuer angekohlt wurde, aufgestellt war. Sie hatten gegenüber den Grenzsteinen den Vorteil, nicht so leicht verändert werden zu können.

 

Bild 1 - Schnatstein

Bild 2 - Schnatstein

Als der Heimatverein nun am Sonntag (16. Januar ) unter der bewährten Führung von Hans Raeker seinen ersten Schnatgang durchführte, wurden die Grenzen der Grafschaft Steinfurt (Stadt Burgsteinfurt mit Hollich, Sellen und Veltrup) abgegangen, deren Verlauf 1785 durch den münsterischen Artillerie-Fähnrich Franz Anton Jansinck festgelegt, vermessen und 1788 in der Landschaft durch Grenzsteine deutlich gemacht wurde.

 

An einigen Stellen hatte man bereits vorhandene Steine vorgefunden und neu nummeriert, die neuen Steine holte man sich aus dem Gravenhorster Steinbruch.

Letztlich wurde die Grafschaft von 102 Grenzsteinen gesäumt, deren erster am Grafenstein gesetzt wurde. An einigen Grenzabschnitten herrschte offensichtlich Uneinigkeit über deren Verlauf,. so dass in dem Grenzabschnitt zwischen Buchenberg und der Aa kein einziger Stein gesetzt und nur auf Jansincks Karte verwiesen wurde.

 

Von diesen 102 Steinen waren bei der letzten Begehung durch den Heimatverein in den Jahren 1993/94 noch knapp 40 Steine vorhanden. Man darf gespannt sein, ob bei den jetzt vorgesehenen Schnatgängen weitere Steine abhanden gekommen sind oder vielleicht alte Steine, die man verloren glaubte, wieder auftauchen.

Auf jeden Fall wird der Heimatverein jeden einzelnen Grenzstein dokumentarisch festhalten, umgefallene Steine wieder aufrichten und versuchen, beschädigte Steine zu reparieren. Wie auch bei den historischen Schnatgängen soll als Abschluss jeweils eine Gaststätte oder ein Bauernhof angesteuert werden.

 

Der erste Gang am 16. Januar ging vom Bahnhof Metelen-Land in nordöstlicher Richtung zum Ferienhof Epker, Sellen 75.

 

 

Im Januar 2001 fand ein weiterer Schnatgang des Heimatvereins Burgsteinfurt statt.

 

Die Steinfurter Tageszeitungen berichten über diese Aktion:

 

Bild 3 - Bericht in der Münsterschen Zeitung am 11.01.2001

Bild 4 - Notiz im Steinfurter Kreisblatt am 11.01.2001

Bild 5 - Dieser Bericht wurde am 23.01.2001 im Steinfurter Kreisblatt veröffentlicht

Bild 6 - Bericht im Steinfurter Kreisblatt am 16.01.2001; Fotos Günther Hilgemann

 

Bei dem vorläufig letzten Schnatgang am 24. Februar 2008 waren wir mit der Kamera dabei.

Unser Fotobericht beginnt auf der Seite 2.

 

Seite  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 

Presseberichte:

Bild 3: Bericht in der Münsterschen Zeitung am 11.01.2001

Bild 4: Notiz im Steinfurter Kreisblatt am 11.01.2001

Bild 5: Bericht im im Steinfurter Kreisblatt am 23.01.2001

Bild 6: Bericht im Steinfurter Kreisblatt am 16.01.2001; Fotos Günther Hilgemann

Fotos: Willi Tebben (Bild 1 und 2)